|
An meinem 18. Geburtstag, dem rituellen Tag des Erwachsenwerdens, erlebte ich die Abschiedsfeier für meine Großmutter. Mich hat tief geprägt, dass nach ihren Schmerzen des Krebsleidens eine fröhliche Feier, so wie sie es sich wünschte, stattfand.
In den 90er-Jahren beeindruckte mich das Museum für Sepulkralkultur in Kassel und die Nekropole im dortigen Habichtswald. In Wien stattete ich dem Bestattungsmuseum einen Besuch ab.
Im Jahr 2000 erzählte ich einer Bekannten, dass ich die Idee habe, ein Trauerhaus zu leiten. Selbst zu diesem Zeitpunkt war meine Vision nicht neu. Ich trug sie bei mir. Doch sie bleibt (noch) tief vergraben.
So gibt es bei mir unterschiedliche Berührungspunkte zum Umgang mit Abschiednehmen, Trauer und Tod. Wohlwissend, dass ich in unserer Kultur auf Menschen stoße, die einer Beschäftigung mit Tod und Trauer mit Abwehr oder Angst begegnen.
Im Sommer 2003 kam mir meine Vision von der Arbeit im Bereich der Trauerkultur wieder in den Sinn. Ich biete Menschen Raum und Zeit, den Abschied des Lebens in eigener Entscheidung zu feiern. Dazu starte ich mit der ganz persönlichen Gestaltung von Trauerzeremonien und Abschiedsritualen. Jeder Mensch hat das Recht auf seine/ihre Art zu trauern, die Trauerzeit zu durchleben, ein Trauerwerk zu schaffen - oder auch nicht.
Mich trägt die Überzeugung, das jeder gelungene Abschied einen Gewinn an Lebensqualität nach sich zieht. Loslassen und gewinnen bedeutet nicht, den Gestorbenen unwürdig zu vergessen. Er bekommt einen neuen Platz in der Erinnerung: "Niemals geht man so ganz. Irgendwas von mir bleibt hier. Es hat seinen Platz immer bei dir!" (nach einem Liedtext von Trude Herr).
Wenn der Tod ein Teil des Lebens ist, kann es bedeuten, jeden Tag des Lebens zu genießen. "Carpe diem - nutze den Tag" lautet die antike philosophische Lebensweisheit des Horaz. Menschen lernen end-lich zu leben, indem sie sich mit dem Abschied-nehmen und Trauern befassen.
|